Metaphern und Sprachbilder konstruieren

Metaphern in Songtexten verleihen deinem Song eine Seele. Durch die Verwendung dieser erhält dein Songtext Tiefe und Persönlichkeit. Erfahre, was Metaphern und Sprachbilder sind und wie du diese in deinen Songtexten einbaust.

Bild zum Thema: Metaphern und Sprachbilder

Was ist eine Metapher?

Das Wort „Metapher“ stammt aus dem griechischen und bedeutet sinngemäß übersetzt „Übertragung„. Eine Metapher dient dem Zweck einen Sachverhalt oder Eindruck mit Worten auszudrücken, die aus dem eigentlichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wurden. Hier ein Beispiel:

„…und das ist nur die Spitze des Eisberges!“

Gemeint ist hier nicht etwa ein wortwörtlich im Wasser schwimmender Eisberg, sondern vielmehr eine nicht sofort zu erkennende Tiefe/Schwere eines Sachverhalts. Ein anderes Beispiel:

„…über mir brach die Decke zusammen. Ich kroch aus den Trümmern hervor, stand auf, und ging einfach weiter.“

Beispielsweise könnte dies eine Person gesagt haben, die eine schwere Zeit (Depression) überstanden hat und nun wieder mit Mut in die Zukunft schaut.

Metaphern können Dinge anschaulich erklären, die mit den eigentlichen Worten nur schwer zu beschreiben sind. So können daher Emotionen besonders gut in Metaphern dargestellt werden. Außerdem schaffen Metapher ein Bild, daher trifft auch hier das altbewährte Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…“ ebenso auf die Metapher zu.

So findest du Metaphern – Tipps

Metaphern in Songtexten zu konstruieren ist im Vergleich zum Reimen deutlich anspruchsvoller. Inspiration ist wohl die wichtigste Voraussetzung zum Finden von Metaphern. Im Folgenden gebe ich dir ein paar Tipps mit auf den Weg, wie du schneller Metaphern konstruierst.

Gebe deinen Gedanken ein Bild.

Klingt zwar komisch, aber male tatsächlich ein Bild, beziehungsweise zeichne eine Skizze! Am besten funktioniert das, in Momenten von großer Inspiration. Durch das so entstandene Bild hast du deinem Gedanken eine zusätzliche Abstraktionsebene hinzugefügt. Versuche nun das Bild passend zu beschreiben. So entstehen Metaphern in Songtexten, die ohne die Aussage direkt beim Wort zu nennen, die Stimmung passend beschreiben und deinem Songtext Tiefe verleihen.

In dem Beispiel auf dem Bild, steht die Höhle für Dunkelheit und Orientierungslosigkeit. Das lyrische Ich ist in ihr „begraben“, was auf eine Aussichtslosigkeit der Situation deutet. Es gibt für das lyrische Ich keinen ersichtlichen Weg aus dieser dunklen Höhle, in der es sich gerade befindet. „Die Welt voller Farben“, nach der es sich sehnt, könnte für Glück und Freude und ein unbeschwertes Leben stehen, das nun nicht mehr ist.

metapher zum Thema Depression

Lies dir Songtexte voller Metaphern durch

Der Atem stockt, das Herz schlägt wild
Malt seine Farben in ihr Bild
Steht er da am Fensterrand
Mit einer Sonne in der Hand
– aus: „Weit Weg“ – Rammstein 2019

In dem Song „Weit Weg“ geht es um einen Mann, der in der Nacht die Frau seines Begehrens durch das Fenster beobachtet.

Generell sind die Songtexte von Rammstein voll mit Metaphern. Auch wenn man kein Fan der Musik ist empfehle ich genau deshalb Rammsteins Texte durchzulesen. Auch das neue Album „Hardwired…to Self-Destruct“ von Metallica ist reich an Metaphern. Besonders herausstechen tun hier die Songs „Atlas, Rise!“ und „Moth Into Flame“.

Eine andere gute Quelle der Inspiration sind Gedichte und auch Bücher. Besonders Gedichte leben von der Bildsprache der Metaphern.

Metaphern und Sprachbilder - Die Sonne als Objekt der Metapher

Beobachte deine Umwelt

Stell dir vor du wärst ein außergewöhnlich begabter Dichter, wie z.B. Goethe. Nimm überall deinen Notizblock mit und versuche alle Beobachtungen und Erlebnisse in poetischer Art und Weise aufzuschreiben. So lernst du, auch in deinem Alltag, mehr wie ein Künstler zu denken und erfährst automatisch Inspiration. Laufe mit offenen Augen durch die Welt und schau dir auch die selbstverständlichen Dinge, wie z.B. die Blätter der Bäume im Park genauer an, denn nur wer genau hinsieht kann die wahre Schönheit der Natur erleben.

Rede auch mit Anderen mehr in beschreibender Sprache und nutze Wörter, die auch ein großer Poet nutzen könnte. Auch hilft es ein Tagebuch zu führen und die Eindrücke des Tages so sorgfältig, wie nur möglich zu beschreiben.

Bank im herbstlichen Park

Die 4 wichtigsten Sprachbilder beim Songwriting

Die wichtigsten Sprachbilder
  1. Vergleich
  2. Antithese
  3. Exemplum(Beispiel)
  4. Tautologie

1. Der Vergleich

Die Mucke pumpt laut, ich riech’s von Weitem
Rum, Rauch, Frauen und Seife
Drei Türchecker fliegen zur Seite,
weil ich in den Schuppen wie auf Schienen einreite
– aus „Lok auf zwei Beinen„, Peter Fox

Der Vergleich ist wohl das meist genutzte Sprachbild in Songtexten. Hierzu wird die Aussage auf einen anderen Bereich übertragen um die Aussagekraft zu vervielfachen. Besonders im Rap wird nur so mit Vergleichen „um sich geschmissen“, wobei hier besonders schräge und einzigartige Vergleiche als besonders kreativ betrachtet werden.

2. Die Antithese

„Es gab wirklich schon sehr viele Gedanken
Trotzdem fällt einem manchmal was ein
Doch auch wenn einem nichts Neues einfällt
Kann man in Deutschland Comedian sein“
– aus: „Tauben„, Das Lumpenpack

Bei der Antithese werden 2 Gegensätze in Verbindung gebracht um einen Widerspruch zu verdeutlichen. Die Antithese wird auch verwendet um Spannung aufzubauen. Der komplette Songtext von „Tauben“ ist voller Antithesen. Er beschäftigt sich mit der Frage, ob alles einen Nutzen / haben muss.(„Aber wofür sind Tauben? Ich meine können die was?)

3. Das Exemplum (Beispiel)

Um eine Aussage zu belegen braucht man Beispiele, das lernt man schon in der Schule. Genauso ist es auch beim Songwriting. Man kann noch so tiefgründige und kluge Zeilen schreiben: ohne ein Beispiel wirkt eine Aussage schlicht und ergreifend nicht glaubwürdig. Beispiele machen deinen Songtext lebendiger und greifbarer für den Zuhörer. Manche Songwriter gehen damit so weit, dass der komplette Text quasi ein Beispiel für sich ist.

4. Die Tautologie

„still und leise“,“voll und ganz“ als auch „nie und nimmer“ sind typische Beispiele für eine Tautologie.

Die Tautologie zeichnet sich dadurch aus, dass ein gleichbedeutsamer Ausdruck wiederholt wird. Hierzu werden meist Synonyme des ersten Ausdrucks verwendet, es kann jeder auch der Ausdruck wiederholt werden: z.B. „Das ist einfach falsch und falsch!“

Die Verwendung von Tautologien ist ein gutes Mittel um Lücken im Text zu füllen. So kannst du Reimstrukturen aufrecht erhalten oder Fehler in der Rhythmik korrigieren.

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