Der Song: Aufbau und Struktur

Kurze und knackige Pop-Hymne oder lange Rock-Ballade? Sowohl das Genre als auch dein persönlicher Geschmack sind Grundlage für den Aufbau und die Struktur deines Songs. Ich möchte dir hier alles Wichtige über Song Aufbau/ Struktur vermitteln.

Elemente des Songs

Intro

Das Intro steht am Anfang des Songs. Es ist eine musikalische Einleitung und der Teil deines Songs, der die Aufmerksamkeit des Zuhörers gewinnen sollte und oft auch in die Melodie einführt. In der Regel ist das Intro rein instrumental, kann aber auch Vocals (Gesangselemente) enthalten, wie z.B. in „Bad Romance“ von Lady Gaga.

Wie lang darf ein Intro sein?

Bei dieser Frage scheiden sich die Geister: Während im Pop Musik Intros meist sehr kurz sind (ca 20s), haben solche im Heavy Metal teilweise eine Länge von mehr als einer Minute. Der durchschnittliche Musikhörer könnte sich bei solch langen Intros schnell langweilen und den Song wegklicken, bevor er überhaupt erst angefangen hat. Genau deshalb gibt es von vielen längeren Songs, einen Radio Edit, der den Song auf eine für den Rundfunk übliche Länge (2,5 bis 4 min) kürzt.

Strophe/Vers

Die Strophen gliedern deinen Song sowohl musikalisch als auch thematisch. Die Strophen stützen idealerweise auch die Kernaussage, die sich im Refrain wiederfinden sollte.

Strophe als metrisches Schema

Die Strophenform wird von folgenden Merkmalen bestimmt:

Verszahl
Die Anzahl an Zeilen oder auch Takte, die in einer Strophe enthalten sind nennt man Verszahl. Am üblichsten sind hier 8 Takte pro Strophe. Seltener kommen auch 4, 12 oder sogar 16 Takte vor.

Verslänge
Die Verslänge bestimmt, wie viele Silben in einem Takt/ einer Zeile vorhanden sind. Innerhalb einer Strophe kann die Verslänge unterschiedlich sein, wobei sich reimende Zeilen optimalerweise die gleiche Verslänge haben sollten.

Versmaß
Das Vermaß (Metrum) bestimmt, welche Silben betont werden. Es bestimmt die Rhythmik der Strophe.

Reimschema
Das Reimschema legt fest, wie die reimenden Zeilen aufeinander Folgen. (Paarreim, Kreuzreim, Haufenreim, etc…)

Thematische Gliederung durch Strophen

Eine Strophe kann entweder einen ausgewählte Aspekt des gewählten Themas beleuchten oder auch ein Abschnitt einer Geschichte darstellen. Ein Song über das Erwachsenwerden könnte z.B. in folgende Strophen gegliedert sein:

  1.  unbeschwerte Kindheit (Ausgangslage)
  2. Herausforderungen in der Jugend (dramatischer Höhepunkt)
  3. Leben als Erwachsener (Auflösung)

Refrain/Chorus

Der Refrain ist der Teil deines Songs, der sich mehrfach wiederholt. Er enthält die Kernaussage und sollte daher so einprägsam wie möglich sein. Meist besteht er aus 8 oder seltener 16 Takten und ist stark von Reimen durchzogen.

Oftmals findet sich auch der Songtitel innerhalb des Refrains wieder, in einigen Fällen sogar direkt zu Beginn des Refrains, z.B. in „Über den Wolken“ oder „Griechischer Wein„. Diese Platzierung des Titels innerhalb des Refrains ist durchaus sinnvoll, da so mit dem Titel gleich der Refrain assoziiert wird und anders herum.

Selbst wenn du den Refrain eines Song das erste mal hörst, sollte dir der Songtitel einfallen können. Ist dies der Fall, dann können Personen ohne das Wissen um den Songtitel einfach eine Recherche im Internet starten, indem sie versuchen diesen zu erraten.

Pre Chorus

Der Pre Chorus ist eine vor dem Refrain/Chorus stehende Überleitung zum Refrain. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bridge ist dieser kürzer (meist 4 Takte oder weniger) und wird, genau wie der Refrain selbst, mehrfach wiederholt.

„Wenn der Refrain ein Raketenstart wäre, dann wäre der Pre Chorus der Countdown dazu.“

Er baut Spannung auf und sorgt dafür, dass der Wechsel von Akkordfolge und Melodie flüssig abläuft. Auch der Pre Chorus ist der richtige Ort den Songtitel unterzubringen, da dieser auch oft wiederholt wird und deshalb meist genauso einprägsam ist, wie der Refrain selbst.

Ein Beispiel für einen Pre Chorus ist in „Rewind The Exit“ von Volbeat (0:42 – 0:53)

Bridge

Eine Bridge kann man sich tatsächlich als eine musikalische Brücke vorstellen. Sie verbindet in der Regel zwei Teile des Songs miteinander und bricht die vorhergehende Struktur des Songs so auf. Dies geschieht meist durch Änderungen in Akkordfolge und Melodie. Der Text erfährt in der Bridge oftmals eine Wendung, was zusätzlich dazu führen soll die Aufmerksamkeit des Zuhörers zu erhöhen. Die Bridge besteht meist aus 8 Takten und wird in der Musiktheorie auch als „Middle 8 bezeichnet“.

Instrumentalsolo

Instrumentalsoli können nahezu überall im Song auftauchen, oftmals kommen sie jedoch nach der Bridge oder einem Refrain. Als Songwriter musst du dir nicht unbedingt Gedanken machen, wo im Song oder ob überhaupt Soli gespielt werden. Möchtest du jedoch deinen Song von vornherein klar strukturieren, dann ist es sinnvoll einem möglichen Solo einen Platz innerhalb deiner Songstruktur zu schaffen.

Instrumentalsoli sind ein nettes Plus in einem Song, können aber auch dazu führen, dass dein Song die rundfunktaugliche Länge von 4min überschreitet. Bei Konzerten werden besonders virtuose Soli jedoch lautstark gefeiert und verschaffen dem Instrumentalisten Respekt und Anerkennung.

Outro

Das Gegenstück zum Intro ist das Outro. Es begleitet den Zuhörer aus dem Song heraus und ist auch meist rein instrumental. Oft wird das Outro durch ein „Fade Out“ ersetzt, bei dem der Chorus, oder eine bestimmte Stelle im Song wiederholt werden, während der Lautstärkepegel immer weiter reduziert wird. Fade Outs sind Ohrwurmgaranten! Der Ohrwurm schlechthin: „Don’t Worry, Be Happy“ endet mit einem Fade Out.

Oft sind sich Outro und Intro auch sehr ähnlich oder sogar gleich. Sie dienen so als Rahmen für den Song. Andere Outros vollbringen einen Stilbruch, z.B. durch den Wechsel von E-Gitarre auf Akkustikgitarre. Selten enthalten sie ganz und gar bizarre Soundeffekte oder Konversationsbrocken.

Bei der Gestaltung von Intro als auch Outro sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt!

Typische Songstrukturen

Grundsätzlich kannst du die deinen Song so strukturieren, wie du es für richtig hältst. Im Folgenden gebe ich dir ein paar Beispiele für genretypische Songstrukturen.

typischer Rock/Pop Song

Viele erfolgreiche Songs setzen diese Songstruktur um, wenn auch nicht alle. Dieser Aufbau wird oft verwendet und hat sich daher in den Köpfen der Zuhörer etabliert.

Intro > Strophe > (Pre-Chorus) > Refrain > Strophe > (Pre Chorus) > Refrain > Bridge > Refrain > Outro

Das klassische Lied

Diese Songstruktur existiert schon seit langer Zeit und ist auch in Volksliedern und Kinderliedern vertreten. Sie wird oft von Liedermachern (Singer/Songwriter) verwendet, da hier der Text durch die einfache Struktur im Vordergrund steht.

Strophe > Refrain > Strophe > Refrain > Strophe> Refrain

Doppelter Refrain am Ende

Hier wird der Refrain am Ende des Songs wiederholt. Diese Songstruktur gibt es sowohl im (Punk-)Rock, im Heavy Metal, als auch im Pop. Vor dem letzten Refrain kann auch ein kurzes Instrumentalsolo stehen.

Intro > Strophe > Pre-Chorus + Refrain > Strophe > Pre-Chorus + Refrain > Solo/Bridge/Strophe > Pre-Chorus + Refrain > Refrain

Zwei Strophen am Anfang

Hier werden die ersten beiden Strophen ohne einen unterbrechenden Refrain direkt hintereinander gespielt. Das ist dann sinnvoll, wenn die beiden Strophen aufeinander aufbauen.

(Intro) > Strophe > Strophe > Pre-Chorus + Refrain > Strophe > (Bridge) > Pre-Chorus + Refrain > (Outro)

Beginne mit dem Refrain

Soll dein Refrain besonders hervorstehen, dann kannst du ihn auch vor die erste Strophe setzen. Ein Beispiel hierfür ist „Astronaut“ – Sido feat. Andreas Bourani.

Refrain > Strophe >  Refrain > Strophe > Refrain > Bridge >Refrain > Outro

Nur Refrain

Besonders häufig gibt es diese Songstruktur in elektronischer Musik. Hier können zwar einzelne Wörter oder Sätze verändert werden, jedoch gibt es keine sofort erkenntliche Strophe. Abwechslung wird hier rein durch instrumentale und soundtechnische Vielfalt erlangt. Ein Beispiel hierfür ist „In My Mind“ – Dynoro, Gigi D’Agostino

Nur Strophen

Soll die Aufmerksamkeit des Zuhörers voll und ganz auf den Text und die darin erzählte Geschichte gelenkt werden, dann bietet es sich manchmal an nur Strophen zu verwenden. Ein äußerst skuriles Beispiel ist hier „Schlaflied“ – Die Ärzte.

Auch kann eine „Instrumtalstrophe“ zwischengeschoben werden und/oder eine Strophe wiederholt werden, wie es z.B. bei „Fly Me To The Moin“ – Frank Sinatra, der Fall ist.

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