Akkordfolge und Melodie im Songwriting.

Akkorde sind der Grundbaustein eines jeden Songs. Auf der Folge von Akkorden baut dann auch die Melodie deines Songs auf. Einprägsame und passende Akkordfolgen für den eigenen Song zu finden ist nicht einfach. Vermutlich kennst auch du Zuhörer, die behaupten dein Song klinge wie der letzte Hit von Ed Sheeran, Mark Forster, usw…
Das du zufällig die gleiche Akkorfolge genutzt hast passiert häufig. Hier gebe ich dir ein paar Tipps, wie du es vermeiden kannst, dass deine Akkordfolge und damit auch dein Song im Schwarzen Loch der Popmusik untergeht.

Was ist ein Akkord?

Akkorde bestehen aus 2 oder mehr (meistens 3) Tönen die gleichzeitig gespielt werden. Wichtig sind hier die Intervalle (Abstände) zwischen den einzelnen Tönen. Ich werde hier nur die wichtigsten Dinge erläutern. Falls du Interesse hast, dann lies hier mehr über Akkordaufbau.

Die beiden wichtigsten Akkordarten sind Dur- und Moll-Akkorde.
Dur-Akkorde bestehen aus einer großen Terz (4 Halbtonschritte weiter vom Grundton aus) und darauffolgend einer kleinen Terz (3 Halbtonschritte weiter). 
Moll-Akkorde bestehen aus einer kleinen Terz, gefolgt von einer großen Terz. Moll Akkorde bekommen ein „m“ angehangen der sie als Moll-Akkord gezeichnet (z.B. Am). Manchmal wird der Akkord auch klein geschrieben (im englischen Sprachraum die Regel) um zu signalisieren, dass ein Akkord Moll ist (z.B. a statt Am).

Dur-Akkorde klingen meist fröhlich, Moll-Akkorde eher traurig und ruhig. Das dies nicht so sein muss beweist z.B. „Der Weg“ von Herbert Grönemeyer, ein als traurig empfundener Song der in Dur geschrieben ist. Instrumente und Text haben hier eine stark emotionale Wirkung.

Es gibt noch so viel mehr Akkordarten zu entdecken:  verminderte Akkorde, übermäßige Akkorde, Septakkorde und vieles mehr. Hier ein nützliches PDF über Akkordsymbole.

Akkordumstellungen

Ein gewöhnlicher Dur-Akkord besteht aus Grundton(1), Terz(3) und Quinte(5). Als Beispiel nehmen wir den C-Dur Akkord (C – E – G). Um Abwechslung zu schaffen kann man den Akkord umstellen:
In der 1. Umstellung (3 – 5 – 1) spielt man den Grundton eine Oktave höher. 
Das Ergebnis ist nun, dass sich auch die Intervalle verändern. 
Die 2. Umstellung setzt nun auch die Terz eine Oktave höher (5 – 1 – 3).

Akkorde umzustellen kann auch praktische Gründe haben: 
Während ein Wechsel von F (Grundstellung, F – A – C) zu Am (Grundstellung, A – C – E) es nötig macht alle 3 Finger Tasten (am Klavier) zu heben, so kann man einfacher in die 2. Umstellung von Am (E – A – C) wechseln, da man hier nur den Finger vom F auf das E legen muss. Das erspart Zeit und macht das Spielen angenehmer und zugleich wirkt der Akkordübergang sehr viel flüssiger.

Akkordfolgen

Die Position eines Akkords innerhalb einer Tonart wird mit romischen Ziffern kenntlich gemacht. So lassen sich unabhängig von Tonarten Akkordfolgen beschreiben. Dur-Akkorde bekommen großgeschriebene Ziffern (z.B. V) und Moll-Akkorde bekommen kleingeschriebene Ziffern (z.B. vi). Verminderte Akkorde werden mit einem hochgestellten Kreis (z.B. vii°) gekennzeichnet.

Aus den folgenden Tabellen kannst du dir die Akkorde zu der Tonart deines Songs raussuchen und diese dann in einer Akkordfolge arrangieren. Andernfalls zeige ich dir ein paar Akkordfolgen, die sich bewährt haben.

Akkordfolgen in Dur

I
(Dur)
ii
(Moll)
iii
(Moll)
IV
(Dur)
V
(Dur)
vi
(Moll)
vii°
(vermindert)
ABC#DEF#G#
BC#D#EF#G#A#
CDEFGAB
DEF#GABC#
EF#G#ABC#D#
FGABbCDE
GABCDEF#

12-Bar Blues

I – IV – V

Universell einsetzbar: Von Punkrock über Pop als auch im Jazz eine häufig verwendete, einfache Akkordfolge.

4 Chord Song

I – V – vi – IV

Jeder kennt sie, viele hassen sie: die typischen 4 Chord Songs. The Axis Of Awesome hat die bekanntesten Beispiele solcher Songs in einen Song gepackt. „4 Chords“ heißt er und ist ein wahres Meisterwerk!

Weitere Akkordfolgen in Dur

I – V – ii – IV („All Star“ – Smash Mouth)

I – ii – V – iii  („Blowing In The Wind“ – Bob Dylan, im Refrain)

I – iii – vi – V – IV („Count On Me“ – Bruno Mars)

Akkordfolgen in Moll

i
(Moll)
ii°
(vermindert)
III
(Dur)
iv
(Moll)
v
(Moll)
VI
(Dur)
VII
(Dur)
ABCDEFG
BC#DEF#GA
CDEbFGAbBb
DEFGABbC
EF#GABCD
FGAbBbCDbEb
GABbCDEbF

beliebte Akkordfolgen in Moll

i – VI – VII

i – iv – VII

i – iv – v

i – VI – III – VII (gefühlt fast jeder Linkin Park-Song)

ii – v – i

III – i – iv – VII (z.B. „Last Christmas“)

Die Melodie – mache deinen Song einzigartig!

Die Melodie – darum ist sie so wichtig:

Anders als die Akkordfolge, sollte die Melodie deines Songs unbedingt einzigartig sein. Sie ist das Element deines Songs, das ihn unverwechselbar machen soll. Die Melodie ist das, was sich die Zuhörer am ehesten einprägen werden. Während einem der Text oft nicht einfällt, ist es hingegen sehr einfach die Melodie eines guten Songs im Gedächtnis zu behalten. Die meisten können einen Song eher mitsummen, als ihn vollständig und korrekt zu singen!

So findest du die passende Melodie

Oft entsteht die Melodie zu einem Song während des Schreibens. Versuche zu deinem frisch geschriebenen Textstück zu singen, bis du glaubst die Stimmung deines Songs getroffen zu haben. Hierbei ist es sehr hilfreich ein Instrument zu beherrschen, um dich selbst zu begleiten. So bekommst du eher ein Gefühl, ob die gesungenen Töne und die gespielten Akkorde sich passend ergänzen.

Versuche deinen Geist zu befreien und nicht andere Melodien zu imitieren, denn sonst kann es schnell zu Plagiatvorwürfen kommen. Trotz allen Bemühungen kann es vorkommen, dass ein Zuhörer meint die Melodie zu kennen, doch solange demjenigen nicht sofort ein Song einfällt ist alles in bester Ordnung. Es ist sogar vorteilhaft, wenn deine Melodie einem bekannt vorkommt, denn so bleibt sie dem Zuhörer eher im Gedächtnis.

Eine Melodie, die zum Text passt

Um deinem Text besondere Aussagekraft zu verleihen, kannst du diese an deinem Text anpassen. Zum Beispiel bietet es sich an die Melodie anzuheben, wenn Wörter wie „sky“ oder „up“ verwendet werden. Ein schönes Beispiel findet man in dem Song One More Light von Linkin Park.

Genau umgekehrt funktioniert es auch. Ein gutes Beispiel ist hier „Down“ von Jay Sean ft. Lil Wayne.

Noch spektakulärer ist dies wenn der Text zu den Akkorden passt. Beispiel hierfür ist „Hallelujah“ von Leonard Cohen. Er sing passend zu den Akkorden:

„It goes like this
The fourth, the fifth
The minor fall, the major lift…“

Der Song ist in C Dur geschrieben. Dementsprechend passen die folgenden Bezeichnungen zu den gewählten Akkorden (C, F, G, Am, F)